Letzter Tango für Macri

Argentiniens Präsident Macri hat bei den Vorwahlen eine schwere Niederlage erlitten. Börse und Landeswährung brachen drastisch ein. Aus unserer Sicht droht jedoch kein Flächenbrand.
Oppositionsführer Alberto Fernández gewann die Vorwahlen in Argentinien mit überraschender Deutlichkeit. Er holte 15 Prozent mehr Stimmen als Präsident Mauricio Macri. Fernández war Kabinettschef von Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, die nun an seiner Seite als Vizepräsidentin kandidiert. Macri braucht fast ein Wunder, wenn er die Präsidentschaftswahlen im Oktober noch gewinnen will.

Der Geduldsfaden ist gerissen

Viele schreiben den linksperonistischen Präsidentschaften von Néstor Kirchner (2003 bis 2007) und Cristina Fernández de Kirchner (2007 bis 2015) den wirtschaftlichen Niedergang des Landes zu. Im Dezember 2015 trat der neoliberale Macri mit grossen Reformversprechen an. Doch statt die Konjunktur wieder anzukurbeln, erhöhten seine Massnahmen die Arbeitslosenzahl und die Armut. Die Inflationsrate stieg auf über 50 Prozent. Lange hielt eine Mehrheit dem Präsidenten die Stange – doch nun sind die Argentinier mit ihrer Geduld am Ende, wie die Vorwahlen zeigen.

Der Investorenschreck kehrt zurück

Der Sieg der Opposition liess die Aktienkurse um bis zu 59 Prozent einbrechen. Der Leitindex Merval erlitt mit 38 Prozent den höchsten Tagesverlust seit 70 Jahren, und der argentinische Peso verlor 14 Prozent. Die mögliche Rückkehr von Cristina Fernández de Kirchner ins Zentrum der Macht hat viele Investoren erschreckt. Sie befürchten neue Preis-, Devisen- und Kapitalkontrollen. Vorwahlsieger Alberto Fernández beteuerte indes, niemand wolle zurück zu den früheren Regimen. Und die Ökonomen aus seinem Beraterteam versuchten, die Angst vor einer Zahlungsunfähigkeit des Landes zu zerstreuen: Argentinien werde alle Verpflichtungen einhalten.